
Borfreie Kühlschmierstoffe: Umstieg sinnvoll?
Borfreie Kühlschmierstoffe sind Folge verschärfter Grenzwerte, kein Trend. Wann der Umstieg lohnt und welche Fehler Sie vermeiden.
Welche ISO-VG-Klasse passt zu Ihrer Anlage? Wie Betriebstemperatur und Druck die Viskositätswahl bestimmen — und was der falsche Wert kostet.

Hydrauliköl ist kein Verbrauchsmaterial — es ist ein Konstruktionselement. Die falsche Viskositätsklasse kostet nicht nur Geld beim Ölwechsel, sie verursacht Pumpen- und Ventilverschleiß, erhöhte Betriebstemperaturen und im schlechtesten Fall ungeplante Stillstände.
Dieser Artikel erklärt, worauf es bei der Auswahl ankommt.
Viskosität beschreibt den Fließwiderstand eines Fluids bei einer definierten Temperatur. Im Hydrauliksystem hat sie zwei gegenläufige Aufgaben:
Der optimale Bereich liegt zwischen diesen Extremen — und er hängt stark vom Betriebspunkt ab.
Die ISO-VG-Klasse (nach ISO 3448) gibt die kinematische Viskosität in mm²/s (= cSt) bei 40 °C an — mit einem Toleranzbereich von ±10 %.
| ISO VG | Nennviskosität bei 40 °C | Typische Anwendung |
|---|---|---|
| 22 | 22 cSt | Werkzeugmaschinenhydraulik, niedrige Drücke |
| 32 | 32 cSt | Standardhydraulik, stationäre Anlagen |
| 46 | 46 cSt | Industrie-Standardöl, mobile Hydraulik |
| 68 | 68 cSt | Hochdruckanlagen, hohe Umgebungstemperatur |
Der Maschinenlieferant gibt in der Regel eine ISO-VG-Klasse vor. Liegt diese Angabe nicht vor, ist die Betriebstemperatur die wichtigste Kenngröße. Alle gängigen ISO-VG-Klassen führen wir in unserem Hydrauliköl- und Schmierstoff-Sortiment.
Als Faustregel gilt:
Das Öl sollte bei der höchsten erwarteten Betriebstemperatur (nicht Umgebungstemperatur) eine kinematische Viskosität von mindestens 10–15 cSt aufweisen.
Ein Hydrauliksystem, das im Sommer auf 70 °C aufheizt, braucht ein Öl, das bei 70 °C noch ausreichend zähflüssig ist. Ein ISO-VG-32-Öl mit typischem VI von 100 erreicht bei 70 °C noch ca. 12–14 cSt — in der Grenzzone. Ein ISO-VG-46 liegt dort bei ca. 18–20 cSt, was mehr Reserve bietet.
Neben der Viskositätsklasse bestimmt die Öltype die Additivierung:
HLP (nach DIN 51524-2): Die meistverbreitete Industriehydrauliköl-Type. Enthält Antiverschleiß-, Alterungsschutz- und Korrosionsschutzadditive. Für die große Mehrheit stationärer Industrieanlagen.
HVLP (nach DIN 51524-3): Wie HLP, aber mit einem höheren Viskositätsindex (VI > 140 statt > 95). Dadurch weniger Viskositätsabfall bei Temperaturanstieg — sinnvoll bei:
HEES (Umwelt): Biologisch schnell abbaubare Esteröle für Einsätze in Wasserschutzzonen, Forsttechnik oder bei behördlicher Vorschrift.
Wenn Sie feststellen, dass Ihre Anlage:
...ist eine Überprüfung der aktuellen Viskositätsklasse sinnvoll. In vielen Fällen reicht ein Wechsel von ISO-VG-32 auf ISO-VG-46 oder umgekehrt.
Sprechen Sie uns an — wir analysieren Ihre Betriebsbedingungen und empfehlen das passende Produkt mit Datenblatt: zur Schmierstoff-Beratung.

Borfreie Kühlschmierstoffe sind Folge verschärfter Grenzwerte, kein Trend. Wann der Umstieg lohnt und welche Fehler Sie vermeiden.
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