Zum Inhalt springen
Lippmann – Schmierstoffe & Chemikalien
Beratung anfragen
Zurück zum BlogAllgemein

Sicherheitsschuhe: Klassen S1 bis S7 richtig verstehen

Die Sicherheitsschuhe Klassen haben sich 2022 geändert: S6 und S7 sind neu, SRA/SRB/SRC entfallen. Was S3, S3L und S3S unterscheidet — und worauf es bei der Auswahl ankommt.

15. Oktober 20267 Min. LesezeitArmin Lippmann
Sicherheitsschuhe: Klassen S1 bis S7 richtig verstehen

Wer gerade Sicherheitsschuhe nachbestellt und nach „S3 SRC" sucht, findet dieses Kürzel nicht mehr. Mit der Revision der EN ISO 20345 im Jahr 2022 sind die Rutschhemmungs-Kennzeichnungen SRA, SRB und SRC entfallen — und mit S6 und S7 sind zwei Klassen dazugekommen, die es vorher nicht gab. Für den Einkauf heißt das: Die gewohnte Bestellangabe passt nicht mehr auf das, was die Hersteller heute ausliefern.

Die Sicherheitsschuhe Klassen sind kein Qualitätsranking, bei dem eine höhere Zahl automatisch besser wäre. Sie beschreiben Ausstattungspakete für unterschiedliche Gefährdungen. Dieser Artikel ordnet das System ein und zeigt, worauf es bei der Auswahl wirklich ankommt.

Die Grundlage: Was einen Sicherheitsschuh ausmacht

Bevor es um einzelne Klassen geht, lohnt die Unterscheidung dreier Schuharten, die in der Praxis regelmäßig verwechselt werden:

  • Sicherheitsschuhe (S) haben eine Zehenkappe, die mit einer Prüfenergie von 200 Joule geprüft wurde. Das entspricht etwa einem 20-Kilogramm-Gegenstand aus einem Meter Höhe.
  • Schutzschuhe (P) haben eine Zehenkappe für mittlere Belastungen — geprüft mit 100 Joule.
  • Berufsschuhe (O) haben keine Zehenkappe, sondern mindestens einen anderen schützenden Bestandteil.

Nur die S-Klassen erfüllen also die volle Zehenschutz-Anforderung. Wenn in einer Ausschreibung „Schutzschuhe" steht, aber eigentlich 200 Joule gemeint sind, wird am Ende das Falsche geliefert — mit allen Folgen, die das für die Gefährdungsbeurteilung hat.

Ein Hinweis zur Verwechslungsgefahr: Das P steht hier für die Schuhart „Schutzschuh". Weiter unten begegnet Ihnen dasselbe Kürzel noch einmal — dort bezeichnet es die metallische Einlage gegen Durchstich. Zwei verschiedene Dinge, gleicher Buchstabe.

Sicherheitsschuhe Klassen im Überblick

Die folgende Übersicht fasst die Kategorien nach EN ISO 20345:2022 zusammen. Jede Klasse baut auf der vorherigen auf:

KlasseAusstattung
SBGrundanforderung: Zehenkappe 200 J, sonst keine Zusatzanforderungen
S1Geschlossener Fersenbereich, antistatisch, Energieaufnahme im Fersenbereich
S2wie S1, zusätzlich Wasserdurchtritt und Wasseraufnahme (WPA)
S3wie S2, zusätzlich Widerstand gegen Durchstich (metallische Einlage, Typ P) und Profilsohle
S3Lwie S3, aber nichtmetallische Einlage Typ PL
S3Swie S3, aber nichtmetallische Einlage Typ PS
S4Ganzgeformter Schuh (Typ II, Vollgummi oder Polymer), antistatisch, Energieaufnahme im Fersenbereich
S5wie S4, zusätzlich Durchstichwiderstand und Profilsohle
S6wie S2, zusätzlich wasserdicht im zusammengebauten Zustand
S7wie S3, zusätzlich wasserdicht im zusammengebauten Zustand (S7L/S7S mit nichtmetallischer Einlage)

Der entscheidende Unterschied zwischen S2 und S6 beziehungsweise S3 und S7 ist die Wasserdichtheit des fertigen Schuhs. S2 und S3 prüfen nur das Obermaterial auf Wasseraufnahme und Wasserdurchtritt — Nähte und Sohlenanbindung bleiben außen vor. Bei S6 und S7 wird der komplette Schuh geprüft. Für alle, die dauerhaft im Nassen arbeiten, ist das der praktisch relevanteste Zugewinn der neuen Norm.

Was sich 2022 konkret geändert hat

An den Sicherheitsschuhe Klassen selbst hat sich weniger geändert als an ihrer Kennzeichnung. Vier Punkte sollten Sie kennen, wenn Sie Bestellvorlagen oder Betriebsanweisungen pflegen:

Die Rutschhemmung wurde neu geregelt. SRA, SRB und SRC als Kennzeichnungen sind entfallen. Die Prüfung auf Keramikfliesen mit Natriumlaurylsulfat ist jetzt Grundanforderung für alle Sicherheitsschuhe — sie wird deshalb nicht mehr eigens gekennzeichnet. Eine zusätzliche, strengere Prüfung mit Glycerin kann freiwillig erfolgen und trägt dann das Kürzel SR. Ein Schuh ohne SR-Kennzeichnung ist also nicht etwa ungeprüft, sondern erfüllt die Grundanforderung.

WRU heißt jetzt WPA. Das Kürzel für Wasserdurchtritt und Wasseraufnahme des Obermaterials wurde umbenannt. Inhaltlich beschreibt es dieselbe Eigenschaft.

Aus „Durchtrittsicherheit" wurde „Widerstand gegen Durchstich". Eine sprachliche Änderung, die aber in Ausschreibungstexten auffällt.

Die Kraftstoffbeständigkeit ist aus S1 entfallen. Wer sie braucht — etwa in der Werkstatt oder im Tanklager —, muss sie seit 2022 ausdrücklich zusätzlich fordern. Das ist eine stille Änderung mit praktischen Folgen, die in vielen Beschaffungslisten noch nicht angekommen ist.

Gelten alte Schuhe weiter?

Ja. Zertifikate verlieren ihre Gültigkeit nicht dadurch, dass eine Norm aktualisiert wird — sie laufen regulär bis zu ihrem Ablaufdatum. Vorhandene Bestände müssen also nicht ausgetauscht werden. Die Umstellung betrifft Neubeschaffungen, und dort sollte die Bestellangabe stimmen.

P, PL oder PS: die Einlage entscheidet mehr, als viele denken

Der Durchstichschutz wird seit 2022 in drei Ausführungen geprüft. Sie begegnen ihnen nicht nur bei S3, sondern überall dort, wo Durchstichschutz dazukommt — also auch als S1P, S1PL und S1PS. Hier liegt der am häufigsten übersehene Punkt:

  • P — metallische Einlage, geprüft mit einem 4,5-mm-Nagel
  • PL — nichtmetallische Einlage, geprüft mit einem 4,5-mm-Nagel
  • PS — nichtmetallische Einlage, geprüft mit einem 3,0-mm-Nagel

Entscheidend ist der Nageldurchmesser: PS schützt gegen dünnere Spitzen als P und PL. Beim Bestellen lohnt deshalb der Blick auf den Zusatz — „S1P" allein sagt nicht, ob die Einlage aus Metall oder aus textilem Material besteht. Wer auf Baustellen oder Abbruchflächen mit feinen Drähten, Schrauben oder dünnen Nägeln rechnet, ist mit PS besser bedient — obwohl die Bezeichnung auf den ersten Blick nicht nach „mehr Schutz" klingt.

Dazu kommt ein konstruktiver Unterschied, auf den der Fachbereich PSA der DGUV hinweist: Nichtmetallische Einlagen decken in der Regel die gesamte Sohlenfläche ab, während bei metallischen Einlagen ein ungeschützter Randbereich bleibt. Nichtmetallische Einlagen sind außerdem leichter und leiten Kälte schlechter — ein Argument, das im Erzgebirge von Oktober bis März jedes Jahr zählt.

Häufige Fehler in der Praxis

In Gesprächen mit Betrieben in Marienberg und Umgebung begegnen uns immer wieder dieselben fünf Punkte:

1. Höher ist automatisch besser. S3 wird pauschal für den ganzen Betrieb bestellt, auch für Lager und Büro-nahe Bereiche. Das kostet unnötig Geld, und die schwereren Schuhe werden ungern getragen. Nicht getragene PSA schützt niemanden.

2. Die Gefährdungsbeurteilung fehlt oder ist alt. Welche Klasse nötig ist, ergibt sich nicht aus der Norm, sondern aus der Beurteilung der Arbeitsbedingungen nach § 5 Arbeitsschutzgesetz. Die Norm beschreibt nur, was ein Schuh kann — nicht, was Ihr Arbeitsplatz braucht.

3. Nässe wird unterschätzt. Viele Betriebe bestellen S3 und wundern sich, dass die Füße nass werden. S3 sagt nichts über die Dichtheit des zusammengebauten Schuhs aus — dafür braucht es seit 2022 S7.

4. Die Passform wird dem Preis geopfert. Ein Sicherheitsschuh, der drückt, wird ausgezogen. Weitenvarianten und ein ordentlicher Anprobetermin sind kein Luxus, sondern Voraussetzung dafür, dass die Schutzwirkung überhaupt eintritt.

5. PSA wird auf Mitarbeiter umgelegt. Persönliche Schutzausrüstung muss der Arbeitgeber nach § 3 Abs. 3 Arbeitsschutzgesetz kostenlos bereitstellen. Eine Beteiligung der Beschäftigten an den Kosten ist unzulässig.

Welche Klasse passt zu welchem Einsatz?

Die Sicherheitsschuhe Klassen lassen sich nicht pauschal einem Beruf zuordnen — eine verbindliche Zuordnung kann nur Ihre Gefährdungsbeurteilung liefern. Als Orientierung hat sich in unserer Beratungspraxis folgendes Bild bewährt:

  • Lager, Montage, trockene Innenbereiche: S1 oder S1P reichen meist aus. Leicht, atmungsaktiv, gute Akzeptanz.
  • Werkstatt, Instandhaltung: S2 oder S3, je nachdem ob mit spitzen Gegenständen am Boden zu rechnen ist. Kraftstoffbeständigkeit gegebenenfalls zusätzlich fordern.
  • Bau, Abbruch, Außenmontage: S3 — bei feinen Spitzen besser S3S.
  • Kommunaler Winterdienst, Bauhof, Forst: S7 oder S7S. Hier zahlt sich die Wasserdichtheit des fertigen Schuhs unmittelbar aus.
  • Dauerhafte Nässe, Reinigung, Landwirtschaft: S4 oder S5 als Vollgummi- beziehungsweise Polymerstiefel.

Eine nützliche Hilfestellung über diesen Artikel hinaus bietet die DGUV Regel 112-191 „Benutzung von Fuß- und Knieschutz", die im Anhang Beispiele für zahlreiche Gewerbezweige enthält. Die vollständige Kurzzeichen-Übersicht pflegt der Fachbereich PSA der DGUV.

Was wir Ihnen dazu liefern

In unserem Arbeitsschutz-Sortiment führen wir Fußschutz von Halbschuhen und Sandalen über Schnürstiefel bis zu Winterstiefeln und Überstiefeln für den Chemikalieneinsatz — dazu Hand-, Kopf-, Augen- und Gehörschutz sowie Arbeitskleidung. Die Auswahl treffen wir nicht nach Katalogseite, sondern nach Ihrem Einsatzfall: Welche Gefährdungen liegen vor, wie lange wird getragen, wie nass und wie kalt wird es?

Gerade für den beginnenden Winter ist das relevant. Kommunen, Bauhöfe und Hausmeisterdienste, die bei uns Streusalz und Winterdienstbedarf beziehen, statten ihre Teams sinnvollerweise gleich passend aus — kalte, nasse Füße sind der häufigste Grund dafür, dass im Januar improvisiert wird.

Wenn Sie unsicher sind, welche Klasse Ihre Gefährdungsbeurteilung verlangt, sprechen Sie uns an. Wir gehen die Tätigkeiten mit Ihnen durch und schlagen eine Ausstattung vor, die zu den tatsächlichen Bedingungen passt — und die Ihre Leute auch wirklich anziehen: zur Arbeitsschutz-Beratung.

Tags:SicherheitsschuheArbeitsschutzEN ISO 20345PSAFußschutzGefährdungsbeurteilung
Zurück zum Blog
Kontakt

Sprechen wir über Ihre Schmierstoffversorgung.

Direkter Kontakt zu Armin Lippmann. Ohne Hotline, ohne Warteschleife.

Beratung anfragen